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HTGF freut sich über Exit bei Hamburger GQ Bio
Für rund 32 Mio. Euro geht die Hamburger GQ Bio an eine US-Pharmafirma. Die Gründung liegt schon etwas zurück, die Technologieplattform für die Verpackung von Genmaterial zur gentherapeutischen Behandlung von chronischen Erkrankungen der Gelenke konnte bereits in der Klinik positiv überzeugen.
Das HTGF-Portfoliounternehmen GQ Bio Therapeutics GmbH (früher bekannt unter GeneQuine Biotherapeutics) aus Hamburg, das eine Adenovirus-Gentherapie-Vektorplattform entwickelt die mehr Platz für das verpackte Genmaterial bietet, wurde von Pacira BioSciences, Inc (Nasdaq: PCRX) übernommen. Pacira beschäftigt sich im Schwerpunkt mit der Entwicklung einer innovativen, nicht-opioiden Schmerztherapien. Nun erwarb das US-Unternehmen aus Tampa, Florida, laut Angaben des Hightech-Gründerfonds die restlichen rund 81 Prozent der Anteile an der GQ Bio Therapeutics GmbH für rund 32 Mio. US-Dollar, da die anderen rund 20% sich schon im Besitz der Amerikaner befanden.
Im Rahmen der Transaktion veräußerte HTGF seine gesamten Anteile. Die Wegstrecke des deutschen Unternehmens war auch hier wieder einmal etwas länger: Der HTGF hatte die starke Technologie von GQ Bio und das visionäre Team frühzeitig erkannt und die erste Finanzierungsrunde bereits im Jahr 2012 gemeinsam mit dem Innovationsstarter Fonds Hamburg durchgeführt. Die weiteren Entwicklungsschritte der Unternehmensgeschichte dauerten dann länger als geplant und verlangten von allen Beteiligten Durchhaltevermögen. Auch Versuche, die Arthrosebehandlung bei Tieren gleichzeitig anzugehen, lenkten eventuell etwas vom geraden Entwicklungsweg ab. Die Entwicklung einer Arthrosetherapie beim Menschen führte schließlich zu erstem größeren Interesse aus den USA und einem Verkauf für bis zu 64 Mio. US-Dollar an Flexion Therapeutics im Jahr 2017. Erst neun Jahre nach der ursprünglichen Gründung konnten die Gründer mit dem HTGF auch weitere Investoren überzeugen, die Entwicklung von GQ Bio mitzuunterstützen. Der HTGF bestätigte selbst sein Engagement in der dann vollzogenen Series A Runde, die 2021 etwa 9 Mio. Euro erbrachte.
Das Besondere an GQ: die Hamburger entwickelen eine hochkapazitive Adenovirus-Vektorplattform (HCAd) für Gentherapien, um große und mehrere Gene mit einem Vektor zu übertragen, einen hocheffizienten Gentransfer zu ermöglichen und eine Produktion im großen Maßstab zu realisieren. Auf der Grundlage dieser Plattform entwickelte GQ Bio weiterhin selbst Therapeutika für chronische Krankheiten wie Osteoarthritis und Bandscheibendegeneration. Der ursprünglich von GQ Bio entwickelte Wirkstoff PCRX-201 war an Flexion verkauft worden, wobei noch gemeinsame Entwicklungsmeilensteine vereinbart waren. Flexion selbst wurde dann von Pacira übernommen, die den GQ Bio-Wirkstoff weiterhin in Kooperation mit den Hamburgern in eine klinische Studien überführt hat. Im November 2024 berichtete Pacira dann über vielversprechende Ergebnisse einer großen Phase I-Studie mit PCRX-201, die nachhaltige Verbesserungen bei Knieschmerzen, Steifheit und Funktion zeigte. Nun folgt die Komplettübernahme.
Pacira beabsichtigt, die Aktivitäten von GQ Bio fortzuführen und in die HCAd-Gentherapie-Vektorplattform sowie in innovative Produkte zu investieren. „Wir sind überzeugt, dass diese Transaktion unsere Fähigkeit stärkt, bisher unerfüllte Patientenbedürfnisse zu adressieren“, sagte Frank D. Lee, CEO von Pacira. GQ Bio’s Hauptniederlassung befindet sich in Hamburg. In Luckenwalde (Großraum Berlin) betreibt GQ Bio Forschungs- und Entwicklungslabore mit hochmoderner, technischer Ausstattung. Die Tochterfirma GQ Bio Therapeutics Belgium SRL unterhält in Belgien Standorte in Eupen und Liège/Lüttich. Kilian Guse, CEO und Mitgründer von GQ Bio, fügte hinzu: „Wir freuen uns sehr, Pacira beizutreten und unsere Expertise und Technologie in diese großartige Organisation einzubringen.“
Auch beim HTGF zeigt man sich nach der langen gemeinsamen Wegstrecke zufrieden. Lena-Sophie Schütter, Investmentmanagerin beim HTGF, betonte: „GQ Bio hat gezeigt, dass bahnbrechende Technologien aus Deutschland die Entwicklung innovativer Therapien von globalem Interesse ermöglichen können.“